Mainzer Gutachterin offenbar eine Betrügerin

Psychologin Dr. Gianna Konrad kassierte über 17.000 Euro für "Gutachten"

Gegen die Mainzer Sachverständigengutachterin Dr. Gianna Konrad liegt nach Informationen von report eine Strafanzeige vor (Polizeiliches Aktenzeichen 309008/05122019/1132). Es geht laut der Anzeige um systematischen Abrechnungsbetrug im Familienrecht in erheblichem Ausmaß, die Kriminalhauptkommissar Antweiler (KDD Mainz) aufnahm und nun die Abteilung K4 der Mainzer Betrugsexperten bearbeitet. Zudem sind von der Gutachterin Dr. Gianna Konrad mehrere Scheinadressen im Rhein-Main-Gebiet angegeben worden, teils sogar mit falscher Mainzer Postleitzahl. Die Gutachterin lebt aber nachweislich in Hamburg und wurde von der Mainzer Familienrichterin Stefanie Pfeffer in dem Fall beauftragt. Die Richterin steht in einem Öffentliche Strafverfahren in dem Verdacht der Rechtsbeugung (report berichtete darüber in Ausgabe 1/2020 / Aktenzeichen 405 Cs 3100 Js 12503/19 / Verhandlung am Dienstag, den 12. Mai 2020 um 13 Uhr).

report investigativ 

Über 17.000 Euro für ein Gutachten voller Falschaussagen

Frau Dr. Gianna Konrad ist laut Expertise des Ordentlichen Psychologie-Professors Prof. Dr. phil. Werner Leitner nicht approbiert und verfügt über keine Kammer-Zulassung als Forensische Gutachterin. Drei Mainzer Grundschullehrerinnen, der Jugendamtsmitarbeiter Johannes Schöller, die approbierte Mainzer Kindertherapeutin Kathrin Bach sowie die Mainzer Schulleiterin Sandra Brück und eine Mainzer Erziehungsbeiständin beschuldigten sie in dem Fall der Falschaussage im Amt (Schriftsätze liegen report vor). Prof. Dr. Werner Leitner hat drei Gutachten von Frau Dr. Gianna Konrad überprüft und keines davon als gerichtlich verwertbar eingestuft.

 

Experten gehen davon aus, dass Gutachten im Familienrecht im Normalfall zwischen 3.000 und 5.000 Euro kosten. Frau Dr. Gianna Konrad kassierte für das von Richterin Stefanie Pfeffer angeforderte Gutachten jedoch über 17.000 Euro (Gerichtsakten liegen report vor). Besonders brisant: Sie befragte keine Person der Professionen persönlich, wenn überhaupt dann nur per Telefon aus Hamburg. Zudem rechnete sie Termine mit den Eltern und den Kindern nachweislich falsch ab und zitierte die Professionen offensichtlich mit Vorsatz falsch. Vor dem Verwaltungsgericht Hamburg ist derzeit ein Verfahren anhängig, da Dr. Gianna Konrad ihr Diplom in Psychologie und ihre Promotion von der Universität Hamburg wegen eines gravierenden Verstoßes gegen die Berufsordnung aberkannt werden sollen (Aktenzeichen 2 K 2927/19).

 

Über die Strafanzeige wegen Betruges gegen Dr. Gianna Konrad muss nun die Staatsanwaltschaft Mainz entscheiden. Ein Aktenzeichen liegt noch nicht vor.

 

11 Hintergrund-Fakten zu Gutachten am Amtsgericht Mainz

·        Am Amtsgericht Mainz existiert kein Verteilungsplan, weder für Gutachter, noch für Verfahrensbeistände

·        Die Mainzer Richter entscheiden selbstständig, welchen Gutachter sie beauftragen

·        Die Richter zeichnen auch die Kosten für die Gutachter selbstständig ab

·        Laut Landesjustizkasse gibt es keine Kontrollmöglichkeit, die Kosten für die Gutachter zu überprüfen

·        Die Gutachter erhalten ihre Aufträge direkt vom Richter. Sie sind damit finanziell von ihren Auftraggebern abhängig

·        Laut einer Untersuchung von Prof. Dr. Werner Leitner besaßen 65 Prozent der Gutachter keine Kammerzulassung. Zwei von drei Gutachtern hätten keine Approbation. Laut Prof. Leitner sind 80 Prozent der Gutachten fehlerhaft oder schlampig erstellt

·        Die Eltern müssen hälftig für die vom Gericht Mainz angeordneten Gutachterkosten im Familienrecht aufkommen, es sei denn sie sind nicht leistungsfähig

·        Der Deutsche Richterbund schätzt, dass nur im Familienrecht die Kosten für Gutachter im Jahr 60 Millionen Euro betragen. Etwa die Hälfte der Kosten an selbstständige Psychotherapeuten, Psychologen und Pädagogen zahlt der Steuerzahler via Prozesskostenhilfe

·        Experten fordern seit langem einen Verteilungsplan, damit die Gutachter unabhängig agieren können sowie Qualitätsstandards für Gutachter

·        Der bayerische Rechtsanwalt und Hochschullehrer für Kinder- und Jugendhilferecht, Ernst Fricke, sagt: „Es gibt teilweise katastrophale Seilschaften im Rahmen der Auswahl von willfährigen Gutachtern, die nicht wirklich unabhängig und nicht selten unqualifiziert sind.“

·        Experten sehen durch die finanzielle Abhängigkeit der Gutachter von Richtern die Gefahr von Filz, Mauschelei und Rechtsbeugung

 

Update vom 3. Dezember 2020: Inzwischen liegt der Fall Dr. Gianna Konrad bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Laut Informationen von report wurde eine Untätigkeitsklage gegen die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz eingereicht.

Update vom 14. Juni 2020: Vor dem Verwaltungsgericht Hamburg erzielte der Vater gegen die Universität Hamburg einen Teilerfolg und erhielt Einblick in die Verfahrensakten der Beklagten. Die Universität Hamburg hatte den Antrag auf Entzug des Diploms in Psychologie und der Promotion der Dr. Gianna Konrad verschlampt, der Antrag war trotz Versendung per Einschreiben mir Rückschein nicht in den Verwaltungsakten der Universität Hamburg. Trotz des gravierenden Verstoßes gegen die Berufsordnung der Dr. Gianna Konrad verwies das Gericht, dass aufgrund fehlender formeller Voraussetzungen nicht der Entzug des Diploms und der Promotion der Dr. Gianna Konrad angeordnet werden kann. Der Vater zog in dem Punkt seine Klage gegen die Universität Hamburg zurück (Aktenzeichen 2 K 2927/19).

report empfliehlt betroffenen Eltern: Lehnen Sie zukünftig Familien-Gutachten insbesondere am Amtsgericht Mainz generell ab - einfach unter dem Hinweis, dass diese massiv den Kindern finanziell schaden, da die Eltern die Kosten für diese Familienrechtsgutachten tragen müssen. Überlegen Sie, was Sie Ihrem Kind mit über 17.000 Euro Gutes tun können, zum Beispiel ein geschenktes Cabrio zum 18. Geburtstag oder das Finanzieren eines Bachelor-Studiums. Gutachten im Familienrecht kosten laut Experten im Normalfall zwischen 3.000 und maximal 5.000 Euro.

Lassen Sie sich grundsätzlich die Abrechnung der familienrechtlichen Gutachten zeigen und kontrollieren Sie genau die angegebenen Zeiten. Das Gericht muss Ihnen die Abrechnung zugänglich machen, zur Not über Akteneinsicht.