Skandal um Beschützte Umgänge

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Frankfurter Jugendamtsmitarbeiterin

Video-Szene von einem Betreuten Umgang (Foto: Früherwisser Media)
Video-Szene von einem Betreuten Umgang (Foto: Früherwisser Media)

Die Jugendamtsmitarbeiterin S. sorgt für einen handfesten Skandal am Jugendamt Frankfurt. Brisante Videoaufnahmen belegen: Dem Jugendamt Frankfurt geht es in dem Fall offensichtlich nicht um das Kindeswohl – nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Aktenzeichen Az 3530 Js 205086/20).

 

                                                       report investigativ

Von Rüdiger Fröhlich

 

Ein Vater sitzt eingekuschelt mit seinen beiden Kindern unter einer Decke in einem kargen Raum auf Turnmatten und stellt einfach ein paar Fragen, die das Jugendamt und die Stadt Frankfurt sowie die Frankfurter Hilfsorganisation (Name ist report bekannt) nun tief erschüttern werden. „Das System läuft nur gut, wenn ein Elternteil viele Probleme hat und nicht, wenn es keine Probleme hat“, sagt der Mitarbeiter in dem Video, der für das Jugendamt Frankfurt Beschützte Umgänge des Vaters mit seinen Kindern kontrollieren soll. Es gehe um andere Interessen als um das Wohl der Kinder. „Sie können beim Umgang mit Ihren Kindern nichts besser machen, aber das kann ich nicht im Bericht nach draußen kommunizieren.“ Der Vater schaut den Betreuer fassungslos an und stellt weiter Fragen. Er weiß im Gegensatz zu seinem Gegenüber, dass eine GoPro-Videokamera läuft. "Ich habe den Auftrag etwas Negatives über Sie ans Familiengericht zu schreiben", sagt der Umgangsbetreuer. Dies liegt an einem Oberzensor."  Gemeint ist damit die Frankfurter Jugendamtsmitarbeiterin S., wie aus dem Gespräch hervorgeht. Laut Angaben des Vaters hatte er über 15 Monate nur "Beschützten Umgang" über vier Stunden pro Woche mit seinen Kindern nach SGB VIII der „Kinder und Jugendhilfe“. Bei solch einer angeordneten Maßnahme darf der Umgangsbetreuer die Szene nie verlassen (Bescheid vom Jugendamt Frankfurt liegt report vor). Geschätzte Kosten dafür: 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr für den Steuerzahler.

 

Vater filmte Szenen mit GoPro-Kamera

report liegt das entsprechende Geständnis-Video des Jugendhilfemitarbeiters vor. Unfassbar: Bei seiner Kontrolltätigkeit in dem Fall legte sich der vom Jugendamt Frankfurt beauftragte Mitarbeiter lieber im Auto schlafen oder lässt den Vater alleine mit den Kindern zum Shoppen oder zur Tankstelle fahren anstatt diesen zu kontrollieren. Einmal geht er auch selbst Shoppen. Mehrere weitere Videoaufnahmen in dem Fall, die dies belegen und unserer Redaktion absolut glaubhaft erscheinen, liegen report ebenfalls vor. Der Vater hat bereits über seinen Rechtsanwalt Strafanzeige eingereicht und die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nun wegen des Verdachts der Untreue und wegen Betrugsverdachts (Aktenzeichen Az 3530 Js 205086/20).

 

Auf Anfrage von report teilte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mit, dass in dem Fall „die Staatsanwaltschaft Frankfurt während des noch laufenden Verfahrens aus ermittlungstaktischen Gründen für ein Interview nicht zur Verfügung steht.“

 

Persönliche Verbindungen zwischen Mutter und Jugendamt?

Der Vater geht in den Videos so liebevoll mit seinen Kindern um, dass die ganze Kontrollsituation vollkommen absurd wirkt. „Das Jugendamt Frankfurt, Sozialrathaus Gallus, Frau S. hat ganz frei agieren können“, klagt der Vater das Familienrechtssystem an. „Es bestehen persönliche Verbindungen zwischen der Mutter und dem Jugendamt, wie das Jugendamt sogar schriftlich eingeräumt hat.“ Alle Namen der Beteiligten in der Familienrechtsstreitigkeit sind der Redaktion von report bekannt. Laut Angaben des Vaters ist die zuständige Frankfurter Familienrichterin in dem Fall seit längerer Zeit krankgeschrieben.

 

In einer gerichtlichen Anhörung vor dem Familiengericht am 4. Februar 2020 wurde Frau S. vom Jugendamt Frankfurt mit den Belegen vom Rechtsanwalt des Vaters konfrontiert, dass die Begleiteten Umgänge meist unbegleitet stattfanden und es ganz offensichtlich nicht um das Wohl der Kinder ging. Laut Angaben des Vaters wurde Frau S. beim Anblick der Belege im Gerichtssaal sehr nervös und erklärte, der Vater könnte ja wohl psychisch krank sein. Nach dem Gerichtstermin ging die Jugendamtsmitarbeiterin S. offenbar wieder ins Amt und sendete in derselben Nacht, um 21:33 Uhr (Laut Fax-Zeitstempel) nochmal ein Fax an das Familiengericht, in dem sie erneut behauptete, dass der Vater psychisch krank sein könnte, was sich auch darin äußere, dass dieser behauptete, der Umgangsbericht des Jugendamtes und Umgangsträgers seien Fälschungen. Laut Angaben des Vaters hatte der Umgangsbegleiter und Umgangsträgerverein tatsächlich einen amtlichen Umgangsbericht ans Familiengericht gesendet, der Situationen beschrieb, die es laut dem Vater nicht gegeben haben konnte. Zum Beispiel habe der Vater seine Kinder dadurch gefährdet, dass er diese in Frankfurt am Main zu Fuß auf einer Autofähre über den Main herumlaufen habe lassen.

 

Angebliche Kindesgefährdung auf angeblicher Autofähre in Frankfurt

Laut Informationen von report gibt es keine Autofähre über den Main in Frankfurt - die Kinder liefen bei diesem Umgang mit ihrem Papa ruhig und sicher auf der Fußgängerfähre über den Main in Frankfurt-Höchst herum, was der Fährmann zur Entlastung des Vaters bezeugt hatte. Unserer Redaktion liegt der Schriftsatz des Anwaltes des Vaters mit den Beweisen vor, dass der Umgang der Kinder mit ihrem Vater meist unbegleitet stattfand (Aktenzeichen des Umgangsverfahrens: 457 F 6355/19 EAUG).

 

Stadt Frankfurt: "Sie hat den Fall auf eigenen Wunsch abgegeben"

Auf Anfrage von report teilte die Stadt Frankfurt mit, dass Frau S. weiter für das Jugendamt tätig sei und das volle Vertrauen ihres Arbeitgebers genieße. "Sie hat den Fall auf eigenen Wunsch abgegeben. Sie erhält Rechtsschutz von der der Stadt Frankfurt, um sich gegen die aus Sicht der Stadt Frankfurt haltlosen Vorwürfe angemessen zur Wehr zu setzen", erklärte die Stadt Frankfurt. Zwischen der Mutter und der Jugendamtsmitarbeiterin gibt es laut Angaben der Stadt Frankfurt keinen freundschaftlichen oder außerdienstlichen Kontakt. Zudem sei bei einem begleitetem Umgang der Umgangsbetreuer zwar in der Nähe, aber nicht die ganze Zeit mit im Raum (Anmerkung der Redaktion: In dem Fall handelte es sich nicht um einen betreuten Umgang, sondern um einen "Beschützten Umgang"). Ein Interview mit report zu dem Fall lehnte die Stadt Frankfurt "aufgrund des laufenden Verfahrens" ab.

 

Die Redaktion von report geht davon aus, dass die Jugendamtsmitarbeiterin S. keine Ausbildung als approbierte Psychotherapeutin oder als Ärztin mit psychiatrischer und psychotherapeutischer Facharztweiterbildung besitzt. 

 

"Ich vertraute dem Amt zunächst voll und ganz"

„Ich vertraute dem Amt zunächst voll und ganz, dass die Vorwürfe, die die Mutter in einer Art Rosenkrieg gegen mich machte, entkräftet werden“, erklärte der Vater in einem Schriftsatz, der report vorliegt.Da ich weder jemals selbstmordgefährdet war und mit meinen Kindern auch noch nie irgendwelche Probleme hatte, und sie auch vor der Trennung ständig allein betreute, dachte ich mir, das wird man ja dann auch bald wieder beenden und alles wird gut werden. Dem war nicht so. Niemand schien sich für den beschützten Umgang zu interessieren, er lief wöchentlich weiter.“

 

Neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die Jugendamtsmitarbeiterin S. und den Mitarbeiter der Frankfurter Hilfsorganisation ist nun eine Klage am Landgericht Frankfurt anhängig, wo es um die Frage geht, ob der Vater und sein Rechtsanwalt sagen dürfen, dass der Umgangsträgerverein unwahre Berichte für das Familiengericht verfasst. Das Aktenzeichen lautet Az 2-07 O 163/20. Die öffentliche Gerichtsverhandlung in diesem Fall ist für den 30. März 2021 um 10:30 Uhr im Saal 147 des Landgerichts Frankfurt anberaumt worden.

Unsere report Rechtseinschätzung:

Kinder haben ein Recht auf beide Eltern. In dem Fall werden zwei kleine Jungs auf mieseste und heimtückische Art um ihren Papa und ihre Herkunftsfamilie wie Oma und Opa betrogen. Auch dem Vater wird schweres Unrecht angetan. Jugendamtsmitarbeiterin S. und Umgangsbetreuer sofort feuern. (report)

Update zu dem Fall aus "report - das Gerichtsmagazin 2/2021"

„Gefälschte Berichte“: Vater siegt vor Gericht gegen Familienzentrum Monikahaus

Der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Frankfurt, der das Familienzentrum Monikahaus betreibt, hat vor dem Landgericht Frankfurt eine Klage gegen einen Vater zurückgezogen, dessen Kinder von einem Skandal um Beschützte Umgänge des Familienzentrums betroffen waren (report berichtete darüber exklusiv in Ausgabe 1/2021). Dies teilten mehrere Zeugen der mündlichen Verhandlung report mit. Der Vater darf nun weiter behaupten, dass das Familienzentrum Monikahaus falsche amtliche Umgangsberichte verbreitet und ans Jugendamt Frankfurt verschickt. Die Kosten des Verfahrens muss der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Frankfurt tragen (Aktenzeichen 2-07 O 163/20). Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt derzeit in dem Fall gegen den Umgangsbetreuer von Monikahaus und die Frankfurter Jugendamtsmitarbeiterin S..